GIUSEPPE MEDAGLI "DIE SCHULE VON ATHEN...ABSCHWEIFUNGEN VON EINEM THEMA"





Ein Interview mit dem Künstler Giuseppe Medagli (Ausschnitt)

DER KUNSTBLITZ – Im Jahr 1984-1985 gab es ein großes Projekt im Von der Heydt-Museum (Wuppertal) mit dem Titel „Die Schule von Athen… Abschweifungen von einem Thema“. Dort haben Sie, inspiriert von Raffaels Fresko, ein Werk (Öl auf Leinwand, 230 cm x 460 cm) vor dem Publikum realisiert.

MEDAGLI – Damals war Dr. Günter Aust Direktor des Von der Heydt-Museums. Ich erinnere mich gut, wie er auf meine Einladung, ein Jahr davor zu mir nach Hause kam, um meine Arbeiten zu betrachten. Nachdem er meine Gemälde gesehen hatte, gab er mir den guten Rat größere Formate zu realisieren. Im Jahr 1983 wurde Raffaello Sanzio in der ganzen Welt groß gefeiert (500 Jahre Jubiläum. Raffael, 1483 - Urbino, † 1520 – Rom) und ich wollte eines seiner bekanntesten Werke neu aufarbeiten. Als der Künstler das Fresko schuf, malte er innerhalb der Szene auch Künstler-Kollegen der Zeit. Bekannt ist seine Bewunderung für die Sixtinische Kapelle und das Werk von Michelangelo (der in der Schule von Athen den Philosophen Heraklit verkörpert). Leonardo Da Vinci hat Raffael als Platon gemalt und sehr zentral in die Komposition eingeführt. Der Maler Bramante und Federico II. Gonzaga (Herzog von Mantua) sind auch Teile des Werkes.
Ich hatte mich entschlossen mit meiner Fotokamera zeitgenössische Künstler und Kunstkritiker zu besuchen und zu fotografieren. So fing ich an, die Protagonisten der Schule von Athen auszutauschen. Joseph Beuys, Andy Warhol, Salvador Dalí, Giorgio De Chirico, Achille Bonito Oliva, Maurizio Calvesi, um einige der Namen zu erwähnen, sind jetzt in meiner Version der Schule von Athen zu sehen.
Die Idee begeisterte Dr. Aust und ich durfte das Kunstwerk im Museum malen. Dies lockte viele Besucher, die ständig eine Führung von mir verlangten. Das Resultat: Nach anderthalb Jahren im Museum, konnte ich das Werk nicht vollenden. Ich wurde dadurch bekannter, aber durch den Besucheransturm und die Erklärungen, die ich immer wieder geben musste, reduzierten sich die Stunden in denen ich wirklich malen konnte. 1985 wurde das Museum wegen Renovierungsarbeiten geschlossen und ich musste die Arbeiten beenden. Leider ist das Kunstprojekt (nach 33 Jahren) immer noch nicht abgeschlos- sen. Das Bild ist unvollendet bei mir im Atelier zu bewundern. Ich würde mich freuen, das Werk wieder in einem Museum präsentieren und endlich vervollständigen zu können.